Als ich neunzehn war und immer noch ziemlich links, habe ich Abitur gemacht, ziemlich genau in diesen Tagen des Jahres. Und was soll ich sagen – ich habe damals tatsächlich bestanden. Mein Mathe-Lehrer grinste ein wenig verschämt, als er die „1″ ins Studienbuch malte. Damit keine Verwirrung aufkommt: „1″ bedeutet „EIN PUNKT“, also anwesend, aber stumm, nicht etwa „SEHR GUT“. Jedenfalls schrieb er noch fröhlich und brummelte dann in sich hinein: „Aber Mathe studieren gilt nicht, Markus, äh, Herr Flohr“ – als wäre ich jemals auf diese absurde Idee gekommen.
Wie wir den Rest der Feierlichkeiten begangen haben, erzähle ich gleich. Wenn du lieber wissen willst, wie zum Beispiel in Schweden gefeiert wird, klicke hier – darüber habe ich auch eine kleine Geschichte geschrieben.
Die letzten Wochen der Schulzeit schlugen die 13 Jahre davor um Längen: Wir fuhren jeden Abend mit dem Auto von irgendwem nach Bremen, tanzen gehen. Morgens hingen wir verstrahlt auf den Plastikstühlen des Gymnasiums, aufrichtig engagiert im Kampf mit dem Augenlid-Schließmuskel. In der letzten Reihe stieß ständig jemand deutlich vernehmbar und übel auf, alle drei Minuten torkelte jemand anderes wie ein besiegter Boxer zum Klo, noch schnell ein „Schuldigung“ Richtung Lehrer gebrummelt.
Zur Krönung besetzten wir die Schule und zwangen unsere Lehrer in Sträflings-Klamotten auf einem Heuwagen durch die Syker Innenstadt zu fahren. Bei der Entlassungs-Feier hielt ein heiterer Landrat von der CDU seine sektlaunig-herrenwitzige Rede „Schiee wissn sischa wassichmain-e „, der Schulleiter verwechselte sein Redemanuskript mit dem aus dem vorletzten Jahr, was auch nicht weiter aufgefallen wäre, wenn „1998″ und „2000″ nicht so verdammt unterschiedlich klingen würden.
Vor der Schule heulten viele und grölten sich „Never forget“ ins vertränte Gesichtchen. Ach ja, ein Jahrgangsmotto hatten wir auch: „Es wird Zeit für eine Revolution“. Florian distanzierte sich öffentlich davon durch einen Eintrag im Abi-Jahrbuch „aus politischen Gründen“. Florian, auch auf diesem Weg noch einmal: Meine Hochachtung.
Tja, aber schön – schön war es doch. Ähem. //
Und das Wasser? Es sinkt gemächlich.
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